Ihre Berichterstattung über „Stuttgart 21“ und die Diskussion der Leser, die einen breiten Raum einnahm, haben deutlich herausgearbeitet, wie sich „die Politik“ und die Technokraten in der Verwaltung unseres Landes kaltblütig über die Interessen der Bevölkerung hinwegsetzen, wenn es darum geht Prestigeprojekte durchzusetzen. Das dann von eben diesem Personenkreis vorgebrachte Argument, daß die Entscheidungen von gewählten Repräsentanten des Volks getroffen wurden und alle Betroffenen viele Möglichkeiten der Teilnahme an den Planverfahren hätten und diese Entscheidungen ja auch in Prozessen überprüfen ließen, ist fadenscheinig. Auch hierüber ist viel gesagt worden und darauf einzugehen würde den Rahmen dieses Schreibens sprengen. Mir geht es darum, auf die Parallelen und Unterschieden in der Diskussion zu dem Projekt des Flughafens in Berlin (BBI) hinzuweisen.:

Ging es in Stuttgart um Denkmalschutz, Schutz der Quellen, die Kosten und die Sinnhaftigkeit des Projekts – einmal abgesehen von den Grünen immer wieder gern vorgeschobenen Lurchen, Käfern und Biotope – so geht es in Berlin um die massive Beeinträchtigung von Gesundheit, Eigentum und Lebensqualität von mehreren hunderttausend Menschen, denen der Lärm von Flugzeugen, die in 600 Metern Höhe Tag und Nacht in Minutenabstand über ihre Köpfe hinwegfliegen als „zumutbar“ hingestellt werden.

 

Das Leben in unseren modernen Gesellschaften bringt viele Beeinträchtigungen mit sich, die hinzunehmen sind, wenn keine Alternative  besteht. Das war und ist in Berlin nicht der Fall. Nach der Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands bestand hier die einzigartige Möglichkeit unter einer Vielzahl möglicher Standorte auszuwählen, über die von Fachkommissionen Gutachten erstellt wurden. Die „Politik“ wählte den Standort, der von den Fachleuten einhellig als am schlechtesten geeignet beurteilt wurde, nämlich den unmittelbar am Stadtrand angesiedelten Flughafen  Schönefeld. Diese Entscheidung fiel also ohne Not; andere Standorte waren in Fülle vorhanden, worum andere Länder uns beneideten. Die Entscheidung fiel gegen jede Vernunft und gegen den ausdrücklichen Rat aller Fachleute.

 

Auf die Idee, ein „internationales Drehkreuz für den Flugverkehr“ ohne Not unmittelbar an den Stadtrand einer Großstadt zu bauen, können eigentlich nur Geisteskranke kommen; eine solche Idee dann aber gegen allen Sachverstand und gegen die vitalen Interessen der Bevölkerung mit allen verfügbaren Mitteln durch- und umzusetzen, können eigentlich nur Verbrecher. Das Ganze ist eine Kriegserklärung an die Bevölkerung!

 

Die Bevölkerung der am stärksten betroffenen Stadteile und Umlandgemeinden, denen die Flugzeuge in 600 Metern  Abstand über die Dächer brausen, kämpfen seit mehr als 15 Jahren hilflos dagegen an. Das Bundesverwaltungsgericht hat den Bau des Flughafens grundsätzlich für zulässig und den damit verbundenen Lärm als zumutbar erklärt, jedoch hinsichtlich der Art des Betreibens Einschränkungen gemacht. Eine dieser Limitierungen war das Verbot von Nachtflügen. Auch hier dreht „die Politik“ aber schon wieder an den Drehschrauben, da – wie z.B. der gewählte „Repräsentant  des Volkes“, Wowereit, als Mitglied des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft freimütig erklärte - man einen internationalen Flughafen bei einem Nachtflugverbot „nicht wirtschaftlich betreiben“ könne.

 

Die wirtschaftlichen Interessen der Aktionäre von Flughafen und Fluggesellschaften werden also über die vitalen Interessen der Bevölkerung gestellt.

 

Ähnlich äußern sich auch andere „Repräsentanten des Volkes“, wie Frau Künast (Grüne), die erklären, man müsse jetzt mit dem Flughafen leben; die Entscheidung sei nun einmal gefallen. Es gehe jetzt darum, das Alles erträglich zu machen. Alternativen werden also gar nicht mehr zur Diskussion zugelassen. Wundern sich diese Damen und Herren wirklich, daß die Bevölkerung sie am liebsten auf den Mond schösse?

 

Die Politik wurde erst etwas unruhig, als sich im Westen der Stadt wegen der erst jetzt bekanntgewordenen Flugrouten Unmut in der Bevölkerung Luft machte. Der Westteil der Stadt, den die Flugzeuge in ca. 2.000 Metern überfliegen, sieht die Naherholungsgebiete und die Villengrundstücke im Westen in Gefahr; daß die Naherholungsgebiete im Osten der Stadt vernichtet werden, interessiert im Westen nicht. Hier hat die Politik im Vorfeld der Entscheidungen zum Standort schon klammheimlich die Wasserschutz- und Naturschutzverordnungen für diese Gebiete geändert. Von den dubiosen Aufkäufen von Land um den Flughafen herum durch britische Limited Gesellschaften (Anonymität) ganz zu schweigen.

 

Der „Fluch der bösen Tat, die fortwährend Böses muß gebären,“ muß abgewendet , echte Alternativen erörtert werden, denn dieser Flughafen ist in jeder Hinsicht eine Zumutung. Man überlasse den Flughafen Schönefeld der Politik als Regierungsflughafen. Es wäre immer noch billiger, all den Größenwahnsinnigen und Technokraten einen Jet zur Verfügung zu stellen, als ihnen zu erlauben, die Stadt und die Gesundheit ihrer Bewohner zu zerstören. Die Akte „Sperenberg“ muß dringend als Alternative wieder eröffnet werden.

Inhaltsverzeichnis
Nach oben